
3.50Uhr: “Good morning, your wake-up call please!”
Ich wache langsam auf. Oh mein Gott! Wo bin ich hier noch gleich? Ach ja, Malediven… auf einer der kleinen Inseln… in einem Wasserbungalow. Ich schlafe in einem riesigen Bett. Weckruf der Hotel Rezeption. Draußen ist es noch dunkel. Ich würde so gerne weiter schlafen, aber die Arbeit ruft. Ich muss aufstehen, duschen, wach werden. Der Boden meines Bungalows ist aus Glas, ich kann die Fische unter meinen Füssen sehen. Es sieht lustig aus!
4.20 Uhr: Treffpunkt der Fotocrew in der Hotelrezeption
4.21 Uhr: Gemeinsam gehen wir die 20 Meter zur Lokation, weit hat man es auf den Malediven Inseln ja nirgendwo hin. Unsere Insel ist ca. 400 Meter lang und 400 m breit. Der Visagist und der Hairstylist breiten auf dem Strand Ihre riesigen Schminkzeugpaletten, Haarteilkollektionen und Wickler aus!
4.35 Uhr: Der Assistent reicht mir den Kaffee im Plastikbecher, während sich der Haar- und der Make-up-Artist an mein Gesicht und über die Haare hermachen. Der Stylist sortiert die passenden Outfits, Accessoires, Schmuck und Sandalen. Heute müssen Bikinis fotografiert werden.
5.55 Uhr: Ja, ja ich weiß, so eine Verschönerung eines Models dauert ganz schön lange, aber bei einem Bikinishooting wird ja auch der ganze Körper geschminkt. Wobei ich sagen würde, dass diese Prozedur bei mir gar nicht nötig ist. Es ist ja nicht so, dass ich etwas zu verstecken hätte, aber bitte, wenn es gewünscht wird – als Model hat man ja nichts zu melden. Auch hier gilt die Regel: Wer zahlt, hat auch das Sagen.
6.05 Uhr: Der Fotograf ist nervös und drängt auf Eile, die Sonne geht schon auf und erhellt den wunderschönen weißen Sandstrand. Dann ist es soweit: Make-up, Haare, Körper, alles fertig. Es kann los gehen. Und dann, Stunde um Stunde, erfolgt immer wieder der gleiche Ablauf: Anziehen, ins Meer laufen, posieren, an Strand laufen, ausziehen, anderen Bikini anziehen, ins Meer laufen, posieren, an Strand laufen, ausziehen, anderen Bikini anziehen, ins Meer laufen, posieren, an Strand laufen, ausziehen…na, du weißt schon, wie es weiter geht. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass das Meer doch ziemlich kalt ist, so früh am morgen, auch hier auf den Malediven.
9.00 Uhr: Inzwischen ist die Sonne so hoch und stark, dass ich im Gegenlicht kaum die Augen offenhalten kann. Aber ich muss. Erschwerend kommt noch dazu, dass ich ein verkaufsförderndes, entspanntes Gesicht machen muss! Hartes Leben…
9.30 Uhr: Kurze Pause. Ich trinke noch einen Kaffe, esse ein paar Früchte, ein Joghurt. Dazu gibt’s den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Jetset Szene. Wir besprechen das kalte Wetter in Deutschland und freuen uns, dass es auf den Malediven schon so früh am Morgen um die 28 C warm ist.
9.50 Uhr: Es muss weitergehen – Zeit ist in diesem Job Geld, viel Geld. Das Make-up und die Haare werden zwischendurch immer nachgebessert, dann wieder anziehen, posieren, ausziehen…usw.
11.05 Uhr: Das Shooting wird abgebrochen, die Sonne steht zu hoch und macht unpassende Schatten. Wir haben jetzt 3 Stunden Pause, das Shooting geht um 14 Uhr weiter.
14.30 Uhr: Während dieser drei Stunden Pause wird mir klar, wie schön es hier eigentlich ist. Wer einmal auf den Malediven war, möchte nie wieder woanders arbeiten. Das Meer so herrlich warm, berauschend die Unterwasserwelt, feiner weißer Strand, zauberhafte Hotels. Ich habe die freie Zeit genutzt, um zu relaxen. Am Strand stehen ein paar Liegen parat, eine ziehe ich mir in den Schatten einer Palme und genieße den Blick über den weißen Sand mit türkisfarbenem Meer!
Die Crew macht in der Zwischenzeit schon eine grobe Auswahl der Bilder am Powerbook. Der Assistent kümmert sich derweil um das Fotoequipment, die teuere, digitale Technik der Kameras und Objektive, Aufheller und Diffuser sind hier, am immer leicht windigen Sandstrand ziemlich gefährdet.
14.40 Uhr: Die Pause ist zu Ende, ich bekomme einen neuen Bikini, das Retouch des Make-ups und eine hübsche neue Frisur. Zahlreiche wunderschöne Motive werden an diesem einmaligen Strand geschossen.
15.21 Uhr: Für 10 Minuten vergessen wir das Shooting, als wir plötzlich 2 kleine Baby Haie, nur etwa 20 m vom Strand entfernt entdecken. Danach arbeiteten wir bis zum Sonnenuntergang weiter – anziehen, posieren, ausziehen, anziehen, posieren usw.
18.30 Uhr: Schluss für heute. Alle packen ihre Sachen zusammen, zügig geht es die zurück zum Hotel bzw. zum jeweiligen Bungalow. Ich schminke mich ab, bürste die Haare glatt, schlüpfe in meinen eigenen Bikini, lege mich in meine Hängematte auf meiner Terrasse. Ja so kann man es aushalten. Wenn das Leben bloß immer so schön wäre…
20.55 Uhr: Nun wird zum Dinner gerufen – anständige Kleidung ist gefragt. In den Restaurants auf den Malediven erwartet man, dass die Gäste sich nicht zu freizügig kleiden. Trotz allen achtens auf die perfekte Figur, der Körper kann nicht nur von Wasser und Obst leben…
22.05 Uhr: Ich bin wieder in meinem Wasserbungalow, beobachte noch eine Zeit lang die Fische unter meinen Füßen, der Boden ist ja aus Glas.
22.20 Uhr: Ich liege im Bett. Ich bin todmüde. In Gedanken bin ich noch bei den Haien und frage mich, ob so ein kleiner Hai mir etwas abbeißen könnte. Mir fallen langsam die Augen zu. Gut so, denn morgen um 3.50 Uhr wird das Telefon klingeln: “Good morning, your wake-up call please!” 
Eigentlich habe ich ein Video vom gesamten Malediven Aufenthalt, aber leider kann ich es euch nicht zeigen. Das Dilemma entwickelte sich folgerndermaßen: Ein netter Japaner hat mich auf den Malediven die ganze Zeit über verfolgt und mit seinem Video aufgenommen. Am Abreisetag hat er mir dann die Video Kassette (wahrscheinlich nur die Kopie) überreicht. Leider habe ich nicht daran gedacht das ich in Deutschland keine japanische Videokamera habe, so das ich die Kassette jetzt nicht abspielen kann. Falls jemand eine japanische Videokamera hat oder weiß, wo ich eine beschaffen kann, bitte gleich bei mir melden: kontakt@nezika.com.